Stethoskop
Ihr Ratgeber Burn-out-Syndrom
Das Burn-out-Syndrom entwickelt sich meist aus einer Überbelastung im Familien- und/oder Berufsleben und mündet in einem Zustand körperlicher und geistiger Erschöpfung.
Burn-Out-Syndrom

Was ist ein Burn-out-Syndrom?

Der auch im Deutschen verwendete Begriff Burn-out-Syndrom stammt aus dem Englischen, wo „burnout“ so viel wie „ausbrennen“ und „erschöpft sein“ bedeutet. Der deutsch-amerikanische Psychotherapeut Herbert J. Freudenberger nutzte diese Bezeichnung erstmals im Jahre 1974, als er sich selbst in einem Zustand der übermäßigen Erschöpfung sah. Seine geistige wie auch körperliche Situation der Ausgebranntheit und Schwäche erklärte Freudenberger seinerzeit mit einem hohen Maß an beruflichem Einsatz, der ihn über einen langen Zeitraum ohne nennenswerte Erholungsphasen forderte.

StressAnfänglich wurde der Begriff des Burn-out-Syndroms insbesondere für Menschen in Sozialberufen verwendet, die durch ihre aufopfernde Tätigkeit für ihre Mitmenschen die Grenze ihrer eigenen Belastbarkeit erreichten. Der emotionale und daraus resultierend auch körperliche Zustand der Erschöpfung wurde als Burn-out-Syndrom im Laufe der Jahre zum geflügelten Begriff. Während das klar definierte Krankheitsbild der Depression beispielsweise von vielen Betroffenen immer noch schambehaftet als Makel angesehen wird, erfuhr die Bezeichnung des Burn-out-Syndroms gesellschaftlich eine nahezu inflationäre Verwendung für jede Form beruflicher und/oder familiärer Überforderung. Bis heute gibt es keine interdisziplinär allgemein gültige Definition für das Burn-out-Syndrom.

Uneinigkeit bei Definition des Krankheitsbildes

Den Versuch, ein klar abzugrenzendes Krankheitsbild festzulegen, unternahm erstmals die amerikanische Psychologin Christina Maslach Anfang der 1980-er Jahre. In Zusammenarbeit mit Herbert J. Freudenberger und unter Einbeziehung seiner Erfahrungen definierte sie die Verbindung aus folgendes drei Kriterien als Burn-out-Syndrom:

  1.  Emotionale Erschöpfung: Gekennzeichnet durch das Gefühl der Überforderung, anhaltende Müdigkeit und Leere, und die Angst, den beruflichen Anforderungen nicht länger gerecht werden zu können.
  2. Depersonalisierung: Entsteht sukzessive durch das Gefühl der Entfremdung vom eigenen beruflichen Umfeld. Häufig zynische und distanzierte Haltung gegenüber Kollegen oder dem eigenen Tätigkeitsbereich.
  3. Eingeschränkte Leistungsfähigkeit: Als Folge der ersten beiden Kriterien, Gefühl der Sinnlosigkeit der Arbeit, was zu negativer Grundstimmung gegenüber der Tätigkeit führt. Geht häufig mit einem Rückzug aus dem Verantwortungsbereich und daraus folgendem Misserfolg einher.

Während sich die Kriterien Maslachs insbesondere auf den seelischen und geistigen Zustand im beruflichen Umfeld beziehen, gehen neuere Versuche der Definition dazu über, auch anhaltende Stresssituationen jedweden Ursprungs und Selbstüberforderung in die Ursachen des Krankheitsbildes einzubinden. Eine Zeitlang als „Manager-Krankheit“ bezeichnet, wird das Burn-out-Syndrom deshalb heute weitläufiger gefasst. Generell kann dementsprechend sowohl ein Mensch, der nicht aktiv im Berufsleben steht als auch beispielsweise eine alleinerziehende Mutter, ein Handwerker oder ein Student unter einem Burn-out-Syndrom leiden.

Das Burn-out-Syndrom als eigenständiges Krankheitsbild

Obwohl viele Mediziner heutzutage klar dazu übergegangen sind, das Burn-out-Syndrom als eigenständige Erkrankung anzusehen und als Diagnose zu stellen, ist der Begriff weiterhin nicht medizinisch valide anerkannt. Viele Experten sehen die definierten Symptome eines Burn-out-Syndroms als eine Unterform der Depression an.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Burn-out-Syndrom bis dato nicht als eigenständiges Krankheitsbild in seinen Katalog der „International Classification of Diseases and Related Health Problems“, kurz ICD-10, aufgenommen. Behandelnde Ärzte, die eine Eigenständigkeit der Erkrankung anerkennen, nutzen häufig die Subkategorie Z73.0 „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ als Auffangdiagnose für das Burn-out-Syndrom.

Wegen der uneinheitlichen Vorgehensweise und unterschiedlichen Ansichten in der Medizin zum Burn-out-Syndrom gestalten sich Forschung und auch der Umgang mit den Patienten als schwierig. Valide Kennzeichen zur Diagnosestellung fehlen bis heute ebenso wie statistische Erhebungen über die Häufigkeit des Burn-out-Syndroms.

Sabrina Mandel